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Konzentrationslager Esterwegen
Durch eine Festlegung, die am 20. Juni 1933 durch das Preußische Innenministerium
erfolgte, beschloß man drei Lager in Börgermoor, Neusustrum und Esterwegen
mit Platz für 5.000 Schutzhäftlinge errichten zu lassen. Das Konzentrationslager
Esterwegen als Doppellager mit Platz für 2.000 Gefangene wurde Mitte August
zum größten Teil fertiggestellt und erhielt die Bezeichnung Lager
II und III, obwohl die beiden Teillager von einem gemeinsamen Zaun (später
zusätzlich noch eine Mauer) umgeben waren. Das Innenministerium setzte
als Lagerkommandanten die SS-Untersturmführer Heinrich Katzmann (Lager
II) und Martin Seehaus (Lager III) ein. Ab dem 10. August trafen Häftlinge
ein.
Es häuften sich in den nächsten Wochen und Monaten, Mißhandlungen
und Morde von Häftlingen. Zur selben Zeit gab es zahlreiche Übergriffe
der SS-Leute in den umliegenden Ortschaften, die zu Protesten aus der Bevölkerung
führten. Das Innenministerium ließ daraufhin im November durch bewaffnete
Einheiten der Schutzpolizei die Lagerkommandanten der drei emsländischen
Konzentrationslager absetzen. Die Dienstaufsicht der am 20. Dezember eingerichteten
"Kommandantur der staatlichen Konzentrationslager" oblag nun nicht
mehr dem Geheimen Staatspolizeiamt, sondern dem Preußischen Staatsrat
Oberpräsident Viktor Lutze.
Die Konzentrationslager Börgermoor und Neusustrum wurden im April 1934
aufgelöst und von der preußischen Justizverwaltung als Strafgefangenenlager
genutzt. Esterwegen blieb als Konzentrationslager bestehen. Am 20. April übernahm
der Reichsführer-SS Heinrich Himmler die Gestapo in Preußen und beauftragte
den Kommandanten des KZ Dachau und SS-Gruppenführer Theodor Eicke mit
der Reorganisation der staatlichen preußischen Konzentrationslager. Zwei
Monate später unterstellte sich Himmler das Lager Esterwegen "unmittelbar"
und setzte am 1. Juli den SS-Standartenführer Hans Loritz als neuen Kommandanten
ein, der bis März 1936 diese Funktion ausübte. Am 1. August führte
Eicke die für Dachau entwickelte Lagerordnung ein, sie bestand darin, dass
den Häftlingen alle Rechte genommen wurden was den Wachleuten ermöglichte,
völlig willkürlich Häftlinge zu terrorisieren.
Im Juni 1934 befanden sich noch 812 Gefangene im Lager, nachdem zahlreiche Schutzhäftlinge
1933 entlassen worden waren. Mitte 1933 waren überwiegend kommunistische
und sozialdemokratische Schutzhäftlinge im Lager. Aber sehr bald kamen
Mitglieder von Gewerkschaften oder anderer Parteien, Intellektuelle, Zeugen Jehovas
und Juden hinzu. Zu den bekanntesten Schutzhäftlingen gehörten Carl
von Ossietzky, Friedrich Ebert jun., Ernst Heilman, Julius Leber, Bernhard Bästlein,
Theodor Neubauer und Werner Finck.
Die Mißhandlungen und Morde an Häftlingen nahmen 1935 wieder deutlich
zu.
Das Reichsjustizministerium übernahm am 7. Januar 1937 das Lager
mit der Bezeichnung Lager VII (Esterwegen) als siebtes Strafgefangenenlager
im Emsland. Ab 1940 kamen zunehmend verurteilte Soldaten hinzu. Die Haftbedingungen
verschlechterten sich in den Kriegsjahren zusehends. Die täglichen
Arbeitsstunden wurden bis auf 12 erhöht, durch die hygienischen Zustände,
den Hunger und die Arbeitsbedingungen erkrankten immer mehr Gefangene.
Allein 55 Häftlinge starben zwischen dem 1. April und dem 20. November
1942.
Ab Mai 1943 kamen Widerstandskämpfer aus Frankreich, Belgien und in sehr
kleiner Anzahl auch aus den Niederlanden in einen Teilbereich des Lagers Esterwegen,
in das zu diesem Zweck vom mit deutschen Gefangenen belegten Restteil des Lager
scharf abgetrennte "Lager Süd". Insgesamt über 60 Transporte
mit 2696 Gefangenen trafen bis zum 14. April 1944 im Emsland ein. Die Inhaftierung
im Lager Esterwegen erfolgte unter strengster Geheimhaltung: Die Gefangenen
erhielten eine Nummer, Schriftverkehr war grundsätzlich verboten. Nachweisbar
ist, dass 165 der Belgier und 9 der Franzosen, die im Lager Esterwegen inhaftiert
gewesen waren , zum Tode verurteilt und in München-Stadelheim, Dortmund,
Wolfenbüttel, Braunschweig, Köln und Brandenburg-Görden hingerichtet
wurden.

Am 07. August 1943 wurden weitere 12 Belgier, die alle Widerstandskämpfer waren, auf dem Schießplatz in Lingen-Schepsdorf erschossen, nachdem sie in Wuppertal-Elberfeld am 15. Januar 1943 zum Tode verurteilt und danach nach Esterwegen transportiert worden waren.
Der Reichsjustizminister Thierack ordnete am 10.Februar 1944 die Räumung
des Lagers von NN-Gefangenen an ("NN-Gefangene": Abkürzung für
„Nacht-und Nebel“ Gefangene, die aktiven Widerstand gegen den
Naziregime ausgeübt hatten).
Diejenigen NN-Gefangenen, deren Verfahren durch den 2.Senat des Volksgerichtshofes in Leer durchgeführt werden sollten, blieben jedoch noch im Lager.
Am 14.März 1944 wurden rund 900 NN-Gefangene in das Zuchthaus-Strehlitz transportiert; dies war der erste große Gefangenentransport.
Am 01.Januar 1945 befanden sich ca. 1550 Gefangene im Lager Esterwegen. Im April wurden die Gefangenen in das Lager Aschendorfermoor verlegt, wo sie bis zum Ende des Krieges von den Nazis festgehalten wurden.
Ende April 1945 wurden die Insassen der Emslandlager für kurze Zeit von
den britischen Militärbehörden festgehalten. Sie nutzten diese Lager als
Sammellager für Russen solange, bis die Häftlinge von britischen, kanadischen
und polnischen Truppen befreit worden waren.
Im Sommer 1945 errichtete man auf dem Gelände des KZ-Lagers das Civil Intertainment Camp (C.I.C.)No.9 unter der Zuständigkeit der britischen Rheinarmee. Dort wurden alle mutmaßlichen Kriegsverbrecher aus anderen Internierungslagern versammelt, wie auch diejenigen, die ihren Prozess erwarteten.
Im Mai 1946 waren 2100 Kriegsverbrecher in Esterwegen inhaftiert, Ende Juni
nur noch 2621.
Im Mai sank ihre Zahl wiederum durch Verlegungen und Aburteilungen auf 1055 ab.
Im Juli 1947 löste man das Lager als Gefängnis für mutmaßliche Kriegsverbrecher auf und benutzte es als Strafanstalt, sowohl für normale Kriminelle, unter der Bezeichnung „Strafanstalten Emsland, Abteilung Esterwegen“ wie auch für insgesamt ca. 900 verurteilte Angehörige nationalsozialistischer Organisationen weiter.
Zwar wurde die Strafanstalt Esterwegen noch bis 1951 genutzt, jedoch war zuletzt nur noch eine geringe Zahl der Verurteilten im Lager.
Ursprünglich war geplant, dort Arbeitskräfte unterzubringen, die für die Kultivierung der Esterwegen Dose zuständig sein sollten; dies wurde jedoch nicht umgesetzt.
Doch das Lager wurde noch von 1953 bis 1959 als Durchgangslager für Flüchtlinge genutzt, bis es anschließend abgerissen wurde.
Heute nutzt das Gelände die Bundeswehr.
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