Verfilmung des Grubenunglücks
Unser Besuch bei den Dreharbeiten
Fragen an Herrn Zimmermann ( Producer )
Vorwort
Im Auftrag des Senders Sat 1 dreht die Firma Zeitsprung einen zweiteiligen Fernsehfilm
sowie eine Dokumentation über das "Wunder von Lengede". Producer ist Herr
Zimmermann. Drehorte sind Lengede, Celle und Goslar.Grundlage des Fernsehfilms ist der
Roman von Bernhard Wolter. Voraussichtlicher Sendetermin ist Oktober 2003 zum 40.
Jahrestag des Grubenunglücks.Nähere Informationen findet man unter: http://www.zeitsprung.de/produkt/fiction/fi17.htm
Während wir an unserem Projekt arbeiteten, erfuhren wir von dieser Verfilmung des
Grubenunglücks. Auch die örtliche Presse berichtete häufig von den Filmarbeiten. Wir
durften als erste (wohl auch als einzige) Schülergruppe bei den Dreharbeiten zuschauen.
Wir berichten von diesem Besuch und den Ergebnissen unserer Befragungen.
Unser Besuch bei den Dreharbeiten
Erzwäsche Rammelsberg in Goslar
Zunächst wurden wir vom Producer, Herrn Martin Zimmermann, und seinem Assistenten, Herrn Tim Vehreschild, vor der ehemaligen Erzwäsche Rammelsberg in Goslar begrüßt. Bei Getränken im "Cafeteria-Zelt" beantwortete Herr Zimmermann unsere Fragen (s.u.).Danach zeigte er uns das Studio: Zuerst sahen wir einen Nachbau der Dahlbuschbombe, hinter der eine grüne Leinwand gespannt war. Später wird das Grün durch Licht ersetzt, sodass die Auffahrt der Rettungsbombe entsteht.Es standen dort auch Requisiten aus der damaligen Zeit herum (zum Beispiel alte Fahrräder und Mülltonnen).
Dahlbuschbombe und Herr Zimmermann
Dann durften wir durch den nachgebauten Stollen gehen, Pfützen standen noch auf dem Boden, weil vorher "geflutet" worden war. Er war ziemlich groß und wirkte echt. Ohne die hellen Lampen hätte man Angst bekommen. Doch die Stollenwände waren nur aus Schaumstoff. Im Obergeschoss zeigte uns Herr Zimmermann die gigantische "Swimmingpool-Anlage" für die Flutung des Stollens. Danach konnten wir einen Blick in die Maske werfen:
"Swimmingpool" mit 300 000 Liter Wasser
Drei Maskenbildner arbeiten am Set. Für die Rolle des Bruno muss zum Beispiel jeden Tag ein gebrochenes Bein neu geschminkt werden. Anschließend gingen wir in den Kostüm-Raum. Hier steht für jede Rolle ein Regal mit Requisiten. Auf langen Stangen hängen Kleidungsstücke, in Regalen türmen sich Gummistiefel.
In kleinen Gruppen durften wir dann die Vorbereitungen zu Dreharbeiten im "Alten Mann" ansehen, u.a. mit Heino Ferch. Dabei erhielten wir einen Eindruck des beschriebenen "Ameisenhaufens". Wir fanden es ganz toll, dass wir beim Dreh dabeisein durften. Als letzten Höhepunkt durften wir einige Schauspieler befragen.In der Drehpause schenkten folgende Schauspieler uns ihre Zeit:
Axel Prahl, Christian Kahrmann, Uwe Rohde, Martin Brambach.
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Nachdem wir unsere Fragen gestellt hatten, wollten sie auch von uns einiges wissen: Wie es uns am Set gefallen hat. Ob es in Lengede ein Denkmal zum Grubenunglück gibt Ob das Thema in Lengede (außer in unserem Unterricht) gegenwärtig ist. Ob wir einen persönlichen Bezug zum Unglück haben. Danach konnten wir Herrn Zimmermann noch abschließende Fragen stellen. Dann begleitete Herr Vehreschild uns noch bis vor die Tür. Den Kopf voller Eindrücke traten wir wieder die Heimreise an. Bereits im Bus wurden erste Notizen festgehalten.
Wir bedanken uns ganz herzlich dafür, dass wir die Dreharbeiten besuchen durften und dass sich Herr Zimmermann und sein Assistent, Herr Vehreschild, so viel Zeit für uns genommen haben. Wir sind die erste "Nicht-Presseleute"-Gruppe, die bei den Dreharbeiten zu Besuch waren.
Wir bedanken uns auch ganz besonders bei den Schauspielern, die sich in ihrer Drehpause
Zeit für uns genommen haben und unsere Fragen beantwortet haben.Wir wünschen dem Set
weiterhin viel Spass beim Drehen und viel Erfolg für den Film. Wir sind schon sehr
gespannt.
Fragen an den
Producer, Herrn Zimmermann
Zur Produktion des Filmes
1. Welche Aufgaben hat ein Producer?
Zuerst muss erklärt werden, an welcher Stelle der Producer steht.
Nr.1: Filmproduzent - betreut parallel ca. drei Filme, zwei Daily Soaps, eine Show
Nr.2: Producer - vertritt den Produzenten am Set, koordiniert die Dreharbeiten
Nr.3: Produktionsleiter - kümmert sich um finanziellen und organisatorischen Werdegang
("Geschäftsführer").
2. Welche Berufe gibt es beim Film?
O-Ton: "Zum Abwinken viele", beim Film ist die Berufswahl ziemlich
klassisch "männlich" und "weiblich. Beispiele:
Herstellungsleitung, Autor, Produktionsleitung, Produktionsassistent, Regie, Kameramann,
Tonmeister, Beleuchter, Innenrequisite, Maskenbildner
3. Was kostet die gesamte Produktion dieses Filmes?
Dieser zweiteilige Spielfilm kostet ca. sechs Millionen Euro. (Zum Vergleich: Ein
"normales" TV-Movie eines Privatsenders kostet ca. 1,2 bis 1,5 Millionen Euro).
Er wird von der Nordmedia gefördert. Es gibt reine Auftragsproduktionen, die vom
Auftraggeber finanziert werden. Hier ist es eine Mischfinanzierung: es gibt private
Geldgeber, aber auch das Land Niedersachsen finanziert. Die hohen Kosten entstehen
hauptsächlich durch die teuren Kulissen.
4. Wie soll der Film heißen und wann soll er gesendet werden?
Name: Das Wunder von Lengede, Sendetermin: Oktober/ November 2003
5. Warum wird das "Wunder von Lengede" verfilmt?
Martin Zimmermann hat zum ersten Mal aus einer Erzählung seines Vaters davon gehört,
später erinnerte er sich daran.Daraufhin hat er recherchiert, dabei mit einem Interview
mit Herrn Wolter in Klein Lafferde begonnen. Die Ergebnisse hat er dem Produzenten
vorgelegt. Vom ersten Tag der Entscheidung ("Wir machen den Film.") bis
heute sind ca. zweieinhalb Jahre vergangen.Es ist ein spannendes Thema mit geschichtlichem
Hintergrund. Ein wichtiger Gesichtspunkt war außerdem: Die damaligen Helfer stehen in
direktem Zusammenhang mit den Helfern beim Attentat auf das World-Trade-Zentrum in New
York am 11. September: Als Präsident Bush mit Feuerwehrmännern auf den Trümmern stand,
war trotz allem ein Hoffnungsschimmer zu spüren. Das war auch damals in Lengede. Obwohl
es hoffnungslos aussah, wurde weitergesucht. Gerade heute, wo es düster aussieht (denke
an mögliche Kriege), ist es wichtig, eine solche Geschichte zu erzählen.
6. Hält sich der Spielfilm an die Tatsachen?
Er hält sich zu 100% an die historisch feststehenden Teile. Aber alle Namen wurden
geändert. Darüberhinaus kann sich kein Spielfilm 100%ig an die tatsächlichen
Geschehnisse halten. Das "Drumherum" wird umgebaut und verdichtet. Man wird es
nie so hinkriegen, wie es sich wirklich abgespielt hat. Es gibt keine eindeutigen Quellen:
In seinem Tagebuch schildert Herrn Wolter die Dinge aus seiner Sicht.
Zu den Dreharbeiten
7. Wie lange dauern die Dreharbeiten zum Film?
Es sind 60 Drehtage, 10 bis 14 Stunden pro Tag. Dabei entstehen pro Tag ca, drei Minuten
Film, die restliche Zeit ist für Stellproben oder Vorbereitung von Kulissen. Drehende ist
im April. Danach wird geschnitten, gemischt, vertont u.ä. Insgesamt dauert es bis zur
Sendung über drei Jahre. (Zum Vergleich: Ein "normaler" Film dauert ca. ein
halbes Jahr.)
8. Wo wird gedreht?
Gedreht wird in der ehemaligen Erzwäsche im Rammelsberger Bergwerk in Goslar.Das
Hauptproblem war das Überfluten der 100 Meter langen Stollen. Dazu befindet sich im
Obergeschoss ein Wasserbecken mit 300.000 Liter Wasser, 28° warm. Es wird hydraulisch
gepumpt. Nach dem Fluten sammelt sich das Wasser in einem zweiten Swimming-pool im Keller
und wird wieder hochgepumpt. Wenn das Wasser durch den Stollen flutet, hat es einen
Anpressdruck von sechs Tonnen. Deshalb mussten Schotts zum Druckabfang gebaut werden.Ein
Stuntman wurde von den Wassermassen in zwei Sekunden in ein Auffangnetz geschleudert. Ein
solches Studio gibt es sonst nirgends.Die Stollen wurden von September bis Anfang Februar
mit 40 bis 50 Leuten aufgebaut. Dazu wurden im Rammelsberg Negativ-Gipsabdrücke genommen,
um daraus die Stollenwände zu bauen. Die Wände wurden dann mit Schaumstoff verkleidet.
Wenn der Film abgedreht ist, kann die Firma Zeitsprung diese Anlage weiterbenutzen. Sollte
das nicht der Fall sein, müsste sie rasch vernichtet werden, damit sie nicht unbefugt
verwendet wird. denn sie ist geistiges Eigentum von Götz Weidner. (Er ist zum Beispiel
verantwortlich für die Filme: "Das Boot", "Kabaret".) Im zweiten
Studio ist der "Alte Mann" nachgebaut, der hier sieben Meter hoch ist. Dort wird
zur Zeit gedreht. Im März folgen noch Außenaufnahmen, zum Beispiel an der evangelischen
Kirche in Lengede.
9. Wie läuft ein Drehtag ab?
Es wirkt wie ein Ameisenhaufen, in dem jeder weiß, was er zu tun hat. Ein ehernes Gesetz
ist: "Arbeitswege freihalten!" Es gibt einen genau umrissenen Arbeitsablauf.
Bevor eine Szene drehfertig ist, muss alles nachgesehen werden (z.B. 1. Maske, 2.
Kostüm). Es wird nicht das ganze Bild durchgedreht, sondern die Schritte werden einzeln
abgedreht. Jedes Einzelbild benötigt eine eigene Einstellung, die neu eingerichtet werden
muss (z.B. Beleuchtung). Es muss auch darauf geachtet werden, dass jede Kleinigkeit
stimmig ist im Laufe einer gesamten Szene (z.B. Hut auf oder ab). Seit letzter Woche
dürfen sich die Darsteller nicht mehr rasieren, weil die Eingeschlossenen auch nicht
rasiert waren. Dabei muss jedoch die Zeitspanne des Drehens mit der verfilmten Zeit
zusammenpassen.
10. Wie viele Schauspieler und Statisten sind beteiligt ?
Es gibt etwa 60 Schauspieler/ Sprechrollen und ca. 1900 Statisten.

11. Wie viele Personen arbeiten sonst noch bei den Dreharbeiten?
Pro Tag sind etwa 100 Personen mit der Herstellung des Films beschäftigt, sie sind jedoch
nicht alle am Drehort (z.B. Cutterin in Köln). Dazu gehört auch der "Fuhrpark"
auf dem Hof.
Sonstige Fragen
12. Haben Sie 1963 Grubenunglück und Rettungsaktion im Fernsehen verfolgt?
Nein, denn er wurde erst ca. ein halbes Jahr später geboren.
13. Kennen Sie Überlebende des Grubenunglücks - wenn ja, wen?
Die Recherche (s.o. Frage 5) begann mit einem Gespräch mit Herrn Wolter. Herr Zimmermann
bedauert, dass Herr Wolter inzwischen verstorben ist. Vor einigen Tagen besuchten die
letzten Überlebenden des Grubenunglücks das Studio in Goslar.
14. Wie finden Sie es, dass sich heutige Schülerinnen und Schüler mit dem Thema
"Wunder von Lengede" befassen?
Er findet es gut und wichtig (s.o. Frage 5). Es ist "erlebte Geschichte", die
"megaspannend" ist. Möglicherweise kennen die Schülerinnen und Schüler
Beteiligte oder sind sogar mit ihnen verwandt.
15. Haben Sie schon einen Blick auf unsere Internet-Arbeit geworfen?
Ja, gleich nachdem er unseren Brief erhalten hat.
1. In welchen Filmen haben Sie in der letzten Zeit mitgespielt?
Die befragten Schauspieler haben vorher u.a. in Serien mitgespielt (z.B. Axel Prahl als
Tatort-Kommissar).
2. Träumen Sie nachts von den Ereignissen, die Sie tagsüber in ihrer Rolle
spielen?
"Natürlich" träumen auch die Darsteller von den Ereignissen, die sie tagsüber
"erleben", dabei müssen sie auch an die Bergleute denken.
3. Haben Sie 1963 Grubenunglück und Rettungsaktion im Fernsehen verfolgt?
Die Darsteller waren damals noch sehr jung. Sie haben entweder durch ihre Eltern, über
das Radio oder später über Bücher (Biographien) davon erfahren. Die Rettung war damals
ein großes Medienereignis in Deutschland.
4. Kennen Sie Überlebende des Grubenunglücks - wenn ja, wen?
Ja, vor einigen Tagen waren die Überlebenden des Grubenunglücks am Set zu Besuch, mit
denen sie sich unterhalten konnten. Das hat einen großen Eindruck auf die Schauspieler
hinterlassen.
5. Sind die Rollen in diesem Film schwieriger als in "normalen" Filmen?
Es ist schwieriger zu spielen als "seichte" Rollen. Die Schauspieler müssen
sich genau an die Vorlage halten. Dabei denken sie auch an die damals Betroffenen. Bei
Szenen wie im "Alten Mann" entsteht die beklemmende Atmosphäre von selbst.
6. Wie finden Sie es, dass sich heutige Schülerinnen und Schüler mit dem Thema
"Wunder von Lengede" befassen?
Sie finden es positiv. Sie finden es viel zu schade, dass sich Jugendliche von heute kaum
noch mit solchen Themen befassen woran die Medien aber vielleicht nicht ganz
unschuldig sind. Da es vierzig Jahre her ist, gerät es leicht ins Vergessen. Daher ist es
gut, dass sich der Film und Schülerinnen und Schüler damit befassen. Sie finden es auch
wichtig, dass sich Jugendliche über die Unterschiede zwischen damaligen und heutigen
Arbeitsbedingungen informieren.Außerdem finden die Schauspieler wichtig, dass sich
Jugendliche mit Medienpolitik und Medientechnik auseinandersetzen. Vielleicht hätte man
damals ohne die Fernsehberichterstattung gar nicht weitergebohrt!
Zeitungsartikel über unseren Besuch
Am Tag nach dem Besuch bei den Dreharbeiten in Goslar kam die Presse zu uns in die Schule. Wir erschienen auf der ersten Seite der Regionalausgabe unserer Tageszeitung.
Hier der Zeitungsartikel .