BERGBAU IN RONNENBERG

Ronnenberg, ein Ort mit Geschichte

Vor ungefähr 250 Millionen Jahren entstanden riesige Salzlager im norddeutschen Raum. Viele Salzstockstrukturen befinden sich in Niedersachsen. Nicht alle wurden bergmännisch erschlossen, aber schon vor 1100 Jahren wurde im Bereich des heutigen Empelde Salz gewonnen. Die eigentliche Geschichte des Bergbaues in Ronnenberg begann Ende des 19. Jahrhunderts. Durch wissenschaftliche Arbeiten Justus von Liebigs hatte man erkannt, wie wichtig Kalisalz für die Landwirtschaft ist. In vielen Gegenden Deutschlands, so auch in der Region Hannover, wurde deshalb mit dem Abbau des „weißen Goldes" begonnen. Kaliwerke und Industrieansiedlungen prägten die Landschaft. Städte und Gemeinden entwickelten sich durch den Zuzug von Arbeitskräften und ihren Familien zu beachtlicher Größe. Auch der Bereich Ronnenberg prosperierte wirtschaftlich wie kulturell.

 Für den Bergbau in Ronnenberg charakteristisch waren die hervorragende Qualität der Kalisalze und die riesige Ausdehnung des vorhandenen Salzstockes. Insofern waren die besondere Systematik und die beharrliche Kontinuität beim Abbau des Salzes nur allzu verständlich. Warum Kali? Kali übt wichtige Funktionen in der Pflanze aus. Es aktiviert lebensnotwendige Stoffwechselprozesse. So transportiert es z. B. Zucker und Stärke, hemmt den Krankheitsbefall durch Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Pflanzenzellwände und fördert das Wurzelwachstum. Insofern optimiert der richtig dosierte Einsatz von Kalisalzen die Ernte-Erträge in der Landwirtschaft.

Kaliverbindungen sind aber auch wichtige Elemente menschlichen und tierischen Lebens. Der Mensch muss seinem Körper kalkhaltige Nahrungsmittel zuführen. Kartoffeln, Getreideprodukte oder Bohnen tragen wesentlich zur Gesundheit und physischen Leistungsfähigkeit bei. Kaliummangel hingegen äußert sich u. a. in Müdigkeit, Muskelabbau und Konzentrationsschwäche.

Im Jahre 1894 wurde von der Gewerkschaft Hansa-Silberberg die erste Tiefbohrung vorgenommen. 1896 gründete sich die Bohrgesellschaft Ronnenberg, ein Jahr später die Alkaliwerke Ronnenberg AG. Am 28. März 1898 erfolgte der erste Spatenstich zum Schacht Albert. Sieben Jahre später war der Schacht bis zur Endteufe von 653 Metern ausgebaut, am 6. Dezember 1905 erfolgte die Aufnahme des Förderbetriebes. Die Bohr-, Sicherungs- und Förderarbeiten waren Ausdruck der hohen technischen Fertigkeiten im Kalibergbau. Logistische und baumaschinelle Kompetenzen des Ronnenberger Bergbaus konnten sich sehen lassen; sie hatten Vorbildfunktion für den Kaliabbau in vielen anderen Regionen.1953 war Hansa 3 mit 1050 Metern Teufe der tiefste Schacht des Kali- und Stein-Salzbergbaues.

Das Unternehmen Hansa selbst entwickelte sich zum Vorreiter in vielen Sektoren des Kaliabbaues. Im Jahre 1974 wurden von knapp 400 Beschäftigten über 800.000 Tonnen Kalirohsalze gefördert. Zwanzig Jahre vorher standen fast dreimal so viele Arbeitskräfte auf der Lohnliste des Unternehmens. Die Stilllegung bzw. Aufgabe der Grube resultierte aus massiven, nicht eindämmbaren Wassereinbrüchen im Sommer 1975. Damit zusammenhängende Erdrutsche zwangen die Behörden zur Evakuierung vieler Familien aus ihren vom Einsturz bedrohten Häusern.

Das Jahr 1975 markiert das Ende des Kalibergbaues, der bis dahin die größte Erwerbsquelle in Ronnenberg darstellte. Augenfällige Erinnerungen an die Geschichte des Kalibergbaues in Ronnenberg sind heute vor allem; die Kalihalde in Empelde, die von ihrem Besitzer als ambitioniertes Ökologieprojekt renaturiert und rekultiviert wird; die Kalihalde in Ronnenberg, die derzeit abgetragen wird und als Verfüllmaterial für das Bergwerk Asse bei Wolfenbüttel dient; das heutige Rathaus in der Hansastraße im Stadtteil Empelde, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Kali und Salz AG; das Niedersächsische Museum für Kali- und Salzbergbau, ein kulturelles Kleinod im Stadtteil Empelde, das in didaktisch bemerkenswerter Weise die Geschichte des Kalibergbaues dokumentiert.

Warum Kali? Gründe für den Abbau

Kali wurde im Altertum in Form von Holzasche zu gewerblichen Zwecken eingesetzt (Seifensiederei, Glasherstellung und nur bedingt zur Düngung); man laugte Holzasche aus, dampfte die Lauge in Pötten ein und ließ sie in hölzernen Fässern erstarren. An diese Herstellungsart erinnert heute noch die Bezeichnung Pottasche. Das Wort Kali leitet sich aus dem arabischen „al kali" für Pflanzenasche ab.

Die Erkenntnis, dass Pflanzen nicht nur von Licht, Luft und Wasser wachsen, sondern auch eine Reihe von Mineralstoffen als Nährstoffe benötigen, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Justus von Liebig (1803 - 1873) gewonnen. Er fand durch Analyse zahlreicher Pflanzenaschen heraus, dass in Pflanzenresten mineralische Verbindungen enthalten sind. Diese mineralischen Bestandteile werden dem Boden durch Ernten entzogen und müssen ihm wieder zugeführt werden, damit die nächste Ernte gewährleistet ist.

Kalium wird im Gegensatz zu Stickstoff, Phosphor, Kalzium und Magnesium nicht direkt in die organische Pflanzensubstanz eingebaut und ist daher kein Pflanzenbaustein. Es ist ein wichtiger Aktivator für bestimmte Stoffwechselprozesse. Je höher der Kaliumgehalt in den Pflanzenzellen ist, umso schneller läuft der Prozess ab. Die Intensität der Fotosynthese wird verstärkt, die Umwandlung von Zucker und der Aufbau von Eiweiß werden gefördert. Mangel an Kalium führt zu vermindertem Wachstum, Herabsetzung der Widerstandsfähigkeit und damit verbunden zur Reduzierung von Ernteerträgen. Da die Düngung mit organischem Dung bei weitem nicht ausreicht, ist die Düngung mit Kalisalzen erforderlich.

Der überwiegende Teil der Kaliproduktion wird zu Düngezwecken genutzt. Aber auch zur Herstellung verschiedener Kaliumverbindungen finden Kalisalze Verwendung: Hier besonders in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, in Labors und im Gewerbe. Man braucht sie zur Herstellung von hochwertigen Gläsern, in Feuerlöschgeräten, in der Filmindustrie, zur Herstellung von Seifen, Waschmitteln, als Kühl- und Auftaumittel, Kunststoffe in der Pharmazie zur Herstellung von Medikamenten. Kaliumverbindungen sind wichtige Bausteine des menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens.

Ebenso wie bei den Pflanzen hat das Kali auch im tierischen Körper wichtige Aufgaben zu erfüllen. Jeder Organismus besteht aus vielen Einzelzellen. Kali ist hauptsächlich im Zellinnern zu finden. Seine Aufgabe besteht darin, den osmotischen Druck der Zellflüssigkeit aufrecht zu erhalten. Des weiteren muss das Kali zahlreiche Enzyme aktivieren. Etwa 98% des Gesamtkaliums im Körper befindet sich in den Zellen und nur 2% außerhalb. Der Kaligehalt je kg Körpergewicht schwankt zwischen 2 - 3 g. Ein erwachsener Mensch mit einem Körpergewicht von 70 kg enthält so ca. 140 - 210 g Kalium. Bei normaler Ernährung nimmt der Mensch täglich etwa 3 - 4 g Kalium auf und gibt auch die gleiche Menge wieder ab, wobei 2 - 3% des Kaliumbestandes umgesetzt wird.

Grunddaten zur Kalihalde Empelde

Höhe:   - vor der Renaturierung ca. 50 m
  - nach der Renaturierung ca. 65 m
Grundfläche:   - vor der Renaturierung ca. 16 ha
  - nach der Renaturierung ca. 22 ha
Volumen:   - ca. 4 Mio. m³ Salz
  - ca. 4 Mio. m³ Bauschutt kommen hinzu

Zum Hintergrund der Renaturierung der Kalihalde Empelde

Die Mehrzahl der niedersächsischen Salzvorkommen sind Hinterlassenschaften des Zechsteinmeeres, das vor rund 250 Millionen Jahren große Teile des niedersächsischen Gebiets überflutete. Damals herrschte ein heißes und trockenes Klima vor, so dass in Becken, die zeitweise vom offenen Meer abgetrennt waren, starke Verdunstungsvorgänge abliefen. Das Salz des Meerwassers wurde ausgeschieden und lagerte sich schichtweise ab. Normalerweise liegen diese Salzschichten in einer Tiefe von 2 - 3 km, doch im hannoverschen Kalirevier konnte das Salz durch tektonische Veränderungen aufsteigen. Diese Schichten wurden dabei steil aufgeteilt, verfaltet und oft zerrissen. Es entstand ein etwa 2,5 km breites und 8 km langes unterirdisches Salzgebirge, in dem sich die 2 - 20 m breiten Kalilager von oben nach unten wie Falten riesiger Vorhänge hindurchziehen. Die Salzgewinnung konnte in einer Tiefe von 400 - 1500 m stattfinden.

Nach der Förderung und Aufbereitung des Kalisalzes bleibt ein Salzrückstand (ca. 75%), der oftmals zum Verfüllen der Hohlräume z. T. wieder unter Tage gebracht wird.

Salz stellt für den Menschen ein lebenswichtiges Mineral dar. Die Rede ist hier vom Kochsalz oder Natriumchlorid (NaCl). Archäologische Funde beweisen, dass bereits in der Jungsteinzeit durch Erhitzen bzw. Verdunsten von salzhaltigem Wasser festes, kristallines Salz gewonnen wurde.

Die bergmännische Gewinnung von Salzen begann zwar schon vor fast 4000 Jahren, doch in Deutschland wurden erst 1835 die ersten Bohrungen nach Steinsalz durchgeführt.

1840 erkannte man die besondere Bedeutung von Kalium als Pflanzennährstoff. Kalium kommt in der Natur nicht in reiner Form vor, sondern stets in Verbindungen z. B. mit Natrium oder Magnesium.

Das Problem ist, dass loser Rückstand mehr Raum einnimmt als festes Salz, so dass der Überschuss auf große Halden gekippt werden muss.

Bekanntlich hat Salz die Eigenschaft, sich in Wasser zu lösen. Wenn also Niederschläge auf die Kalihalde fallen, sickert das Wasser wie in einen Schwamm ein, löst Salze und tritt, wenn der „Schwamm" voll gesogen ist, am Böschungsfuß mit hoher Salzkonzentration wieder aus. Messungen haben ergeben, dass etwa 20000 t Salze pro Jahr von der Halde Empelde abgespült werden.

Die Haldenwässer werden über Entwässerungsgräben in die Fösse, die später in die Leine mündet, geleitet. Die Fösse ist ab dem Ort der Einleitungen als biologisch tot anzusehen. Erst ab einer bestimmten Verdünnung sind Flora und Fauna wieder lebensfähig.

Um die Flüsse vor der Salzfracht zu schützen, ist die Idee aufgekommen, eine Renaturierung durchzuführen. Das Ziel ist, die Versickerung des Regenwassers in den Haldenkörper und damit die Entstehung von Lauge zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurde ein Renaturierungsverfahren gestartet, das weltweit Pilotcharakter hat.

Durch die Schaffung einer dichten Vegetationsdecke soll die Wasserspeicherfähigkeit der Halde und zugleich die Oberfläche für die Verdunstung erhöht werden. Im günstigsten Fall gelangen nach der Begrünung nur noch 10% der Niederschläge in den Haldenkörper. Gleichzeitig gliedert sich der Berg in die Landschaft ein und bietet Pflanzen und Tieren neuen Lebensraum.

Die Ummantelung der Kalihalde beginnt mit einer 2 - 3 m starken so genannten „Sperrschicht" aus grobem Bauschutt; diese Schicht unterbricht durch Hohlräume die kapillare Wirkung des Wassers und verhindert eine langsame Versalzung der noch aufzutragenden Bodenschichten. Es folgt eine 10 - 30 m starke „Mischschicht" aus Bodenaushub und Bauschutt. Die ganz oben liegende, 2 m starke „Kulturschicht" setzt sich aus Mutterboden zusammen.

Danach kann die Bepflanzung der Terrassenhänge vorgenommen werden. Es soll ein norddeutscher Mischwald aus Ahorn, Buchen, Eichen etc. entstehen. Neben dem Wald werden auch Versuche mit Obst- und Weinanbau gemacht.

Der Rekultivierungsplan für die Kalihalde Empelde

Dieser Plan wurde vom Institut für Forstpolitik der Universität Göttingen unter der Leitung von Professor Dr. Rolf Zundel entwickelt. Er sieht Folgendes vor:

  • Begrünung einer „Landschaftswunde", die von den meisten Leuten als hässlich und verunstaltet empfunden wird.
  • Schaffung von Erholungsmöglichkeiten und von Schutz-, Brut- und Nahrungsstätten für die frei lebende Tierwelt (Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Niederwild usw.).
  • Produktion des langfristig immer knapper werdenden Rohstoffs Holz.
  • Verhinderung der Auslaugung und Verwehung von Salzen und der damit verbundenen Boden- und Gewässerbelastung.
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    Die oft zu hörende Meinung, dass Kalihalden wegen des hohen Salzgehalts nicht mit Erfolg rekultiviert werden könnten, entspricht nicht den neuesten Erkenntnissen und Erfahrungen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Übererdung des pflanzenfeindlichen Salzraumes mit Boden aus Baugebieten. Zur Gewährleistung einer erfolgreichen Begrünung sollte 50 - 100 cm salzfreier Boden aufgebracht werden. Je mächtiger und lehmhaltiger der Auftrag ist, umso besser für das Gehölzwachstum.

    So sieht der Rekultivierungsplan über zwanzig verschiedene Baum- und Straucharten vor, die je nach Lage zu unterschiedlichen Typen zusammengefasst werden. Dabei spielt die Randgestaltung nach außen und zu den eingelagerten Wiesen- und Wasserflächen eine besondere Rolle. Durch richtige Gehölzkombinationen entstehen nicht nur vielfältige Biotope, sondern auch jahreszeitlich lange wirkende optische Reize als Folge unterschiedlicher Blütenfarben und Blühzeitpunkte, Herbstfärbungen und Fruchtbildungen. Da immergrüne Nadelhölzer für die Gegend nicht typisch sind, werden sie nur in bescheidenem Umfang eingebracht. Wegen ihrer Kontraste und Wintergrünheit soll aber nicht ganz auf sie verzichtet werden. Grundsätzlich spielen Gehölze also die Hauptrolle, zumal ihr tiefreichendes Wurzelwerk den Boden am besten gegen Erosion schützt, die höchste Transpirationsleistung und damit die höchste Reduktion der Sickerwasserrate zustande bringt. Eine zusätzliche Graseinsaat innerhalb der Gehölzflächen ist besonders zweckmäßig am Haldenrand, um schnell ein „freundlicheres" Bild nach außen zu erzeugen. Im übrigen entwickelt sich sogar auf den Rohböden aus Baugebieten innerhalb weniger Jahre eine Gras-Kräuter-Vegetation von selbst, zumal mit der Bodenabfuhr auch immer wieder Samen und Wurzeln von vielen Pflanzen „importiert" werden.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass Kalihalden mit geeigneten Gehölzpflanzungen erfolgreich begrünt werden können, wodurch sich Landschaftswunden in ökologisch wertvolle Bereiche umwandeln lassen. Ein zusätzlicher Vorteil entsteht dadurch, dass dort Bauschutt und Boden aus Baugebieten untergebracht werden können, sodass die ohnehin schon knappen Abfalldeponieflächen geschont werden.

    Vorläufiges Fazit des Rekultivierungsprojekts

    Die Renaturierung der Kaliabraumhalde Empelde ist nicht innerhalb kurzer Zeit zu bewerkstelligen, sondern stellt einen langen und noch immer andauernden Prozess dar. Es ist ein faszinierender Prozess, der die Umnutzung einer Industrie-Hinterlassenschaft zu einem Ökosystem zum Inhalt hat. Die Kaliabraumhalde wird zu einem attraktiven Waldberg umgestaltet; angegliedert sind eine Recyclingstation sowie eine nach ökologischen Prinzipien (z. B. Solarenergie) gestaltete Reihenhaussiedlung am Fuße des Berges. Geplant sind außerdem kulturelle Events und Möglichkeiten bewegungsbezogener Aktivitäten (Trimmpfade etc.). Insgesamt kann dieses Projekt - über Empelde hinaus - als Modell einer Lösung für die Hinterlassenschaften des Kalibergbaus angesehen werden.

    Julia Ockenga

    KGS Ronnenberg

    Schülerin der gymnasialen Oberstufe


    Internetpräsentation: Web-Service

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