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Ohlenstedt Info  Wahlergebnisse & Interpretation

Ohlenstedt


19.01.1919: Man kann in dem Diagramm deutlich erkennen, dass die überwiegende Mehrheit der Ohlenstedter Bevölkerung (ca.70%) die DVP wählt. Zweitstärkste Partei wird mit 16% die DHP. Weit abgeschlagen folgt die (M)SPD mit 9%. Kaum der Rede Wert sind die Parteien: USPD, DDP, DNVP.

06.06.1920: In diesem Jahr ist eine enorme Veränderung zum Vorjahr festzustellen. Die bisher wählerstärkste Partei, die DVP, erzielt nur noch 3% der Stimmen. Die überwiegende Mehrheit wählt die welfische DHP mit 85% der gültigen Stimmen, dies ist eine Differenz von 69% gegenüber der vorherigen Wahl. Die (M)SPD wird mit nur etwa 10 % der Wählerstimmen zweitstärkste Partei. Die KPD sowie die USPD erhielten jeweils nur eine Stimme.

04.05.1924: Bei der nächsten Wahl, vier Jahre später, hat die Wählerschaft der DHP in Ohlenstedt um mehr als die Hälfte abgenommen (nur noch 33%). Die DNVP, die 1919 mit nur 4% vertreten war, erzielt nunmehr 38% der Stimmen. Damit übertrifft sie die bei der vorausgegangenen Reichstagswahl noch so stark vertretene DHP um 5 Prozent. Zum ersten Mal tritt bei dieser Wahl die NSDAP in Erscheinung, diese hat in Ohlenstedt einen Stimmenanteil von 16% erhalten. Auch in diesem Jahr ist die SPD mit 11% konstant geblieben.

07.12.1924: Für diese Wahl sind die Ergebnisse nicht überliefert.

20.05.1928: Bei dieser Wahl erhalten die kleineren, von mir als „Sonstigen“ aufgeführten Parteien mit ca. 32% die meisten Stimmen. Die DNVP erhält etwa ein Viertel aller gültigen Stimmen. Der Wähleranteil der DHP sinkt in diesem Jahr weiter auf nur 8%, und die DVP erhält ca. viermal mehr Stimmen als vier Jahre zuvor. Die SPD hat sich auch in diesem Jahr nur um 1% verbessert (auf 12%). Die Wählerschaft der DHP verringert sich auf ein Viertel der vorherigen Wahlergebnisse. Auffallend ist außerdem, dass die NSDAP dieses Mal keine einzige Stimme erhält.

14.09.1930: In diesem Jahr bildet Ohlenstedt zusammen mit Hülseberg und Garlstedt einen Stimmbezirk. Es lässt sich erkennen, dass sich die Wählerstimmen auf acht Parteien verteilt haben. Die stärksten Parteien sind hier DNVP (37%), NSDAP (27%) und die DHP (15%). Die SPD erzielte immerhin noch 12% der Wählerstimmen, damit gibt es bei ihr kaum eine Veränderung gegenüber der vorausgegangenen Wahl. Die KPD wurde erstmals von sieben Personen gewählt (= 2%).

31.07.1932: Bei dieser Wahl kristallisiert sich die NSDAP mit 75% als stärkste Partei heraus. Die DNVP verliert gegenüber der Wahl von 1930 etwa die Hälfte ihrer Wähler. 3 Prozent der Ohlenstedter Bürger haben die KPD gewählt. Die SPD erreicht nur noch 4%, das entspricht einem Verlust von zwei Dritteln ihrer bisherigen Wählerschaft. Die DHP geht völlig leer aus.

06.11.1932: Die NSDAP ist immer noch die stärkste Partei (63%), doch hat die DNVP dazugewonnen. Dieses Mal erreicht die KPD mit einem Wähleranteil von 6% den Rang der drittstärksten Partei. Die SPD wird noch von fünf Personen gewählt und wird somit nahezu bedeutungslos.

05.03.1933: Der Wähleranteil der NSDAP ist von 63% auf 76% gestiegen. Dies ist das höchste Wahlergebnis der NSDAP insgesamt. Auffallend ist, dass die Parteien, die 1919-1924 in Ohlenstedt erfolgreich waren, wie DVP und DHP, im Wahljahr 1933 nicht mehr gewählt werden oder zu Splitterparteien geworden sind. Dagegen hat sich die SPD im Laufe der Jahre nur mit leichten Schwankungen auf allerdings niedrigem Niveau gehalten.

Zusammenfassung

Wenn man das Diagramm betrachtet, kann man erkennen, dass die wählerstarken Parteien aus den Jahren 1919 und 1920 in den Jahren 1932/33 nicht mehr auftauchen. Stattdessen hat die NSDAP die Mehrheit der Wähler hinter sich. Man könnte meinen, dass die ehemaligen Wähler der DVP und DHP nunmehr überwiegend die NSDAP gewählt haben und einige zur DNVP gewandert sind. Die im Rahmen eines Wahlbündnisses kandidierende NSDAP erzielte bei der Reichstagswahl vom 6. Mai 1924 auf Anhieb 15 Prozent der Wählerstimmen. 1928 ging sie dagegen leer aus. Statt dessen gewannen die kleineren, unter „Sonstige“ aufgeführten Parteien die Mehrheit der Stimmen.
Bei der nächsten Wahl 1930 wählte Ohlenstedt zusammen mit Hülseberg und Garlstedt. Die Vermutung liegt nahe, dass das Wahlergebnis durch das Zusammenlegen der Ortschaften verfälscht wird. Ich kann mir vorstellen, hätte Ohlenstedt alleine gewählt, sähe das Wahlergebnis bereits ähnlich wie 1932/33 aus. Hier kann man erkennen, dass die NSDAP wie überall im Reich wieder ins Spiel kommt, die „sonstigen“ Parteien schrumpfen auf ein Minimum.
Die nächsten drei Wahlen finden innerhalb von acht Monaten statt. Die Wahlergebnisse ähneln sich allen drei Wahlen. Die NSDAP erreicht die überwältigende Mehrheit und die DNVP folgt. Es fällt auf, dass die KPD am 6. November 1932 gegenüber den Vorjahren an Stimmen gewonnen hat. Dies entspricht der Entwicklung im gesamten Deutschen Reich. Hier gewinnt sie wahrscheinlich Stimmen auf Kosten der SPD, die sich über die Jahre gesehen mit leichten Schwankungen hält, allerdings auf niedrigem Niveau.
Der Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung lag Mitte 1933 in Ohlenstedt bei 83,8 %. Es waren weder Wohlfahrtserwerblose registriert noch bekamen die Bürger anderweitige Unterstützungsleistungen. Man kann sagen, dass sich die Ortschaft durch die Landwirtschaft weitgehend selbständig versorgt. Ich kann mir vorstellen, dass diese sich der NSDAP angeschlossen haben, da sie sich u.a. als Interessenvertretung der Bauern ausgegeben hat.





Rebecka Blank