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Ritterhude Info  Wahlergebnisse & Interpretation

Ritterhude


Aus der Grafik zu den Reichtags-Wahlergebnissen in Ritterhude von 1919-1933 lässt sich deutlich ablesen: Die (M)SPD war die Partei mit den meisten Wählern. Über den ganzen Zeitraum war sie in Ritterhude führend.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) waren die Sozialdemokraten in Ritterhude die wählerstärkste Partei gewesen. Während des Krieges wurden etwa 450 Ritterhuder an die Front berufen. Die Versorgungslage war schlecht, da die abwesenden Soldaten ihre Familien nicht mehr ernähren konnten. Die Gemeinde musste deshalb für die Versorgung der Familien aufkommen. Es war eine schwere Zeit. Nach dem Krieg strebte die Gemeinde wieder einen normalen Alltag an. Doch blieb die Gemeindepolitik auch weiterhin vom Krieg belastet. Die Kriegshinterbliebenen und Arbeitslosen bedurften finanzieller Unterstützung. Es gab etwa 1000 erwerbsfähige Arbeiter. 700 von ihnen gingen ihrer Arbeit in Bremen nach.

Im Januar 1919 fanden die ersten allgemeinen, freien und geheimen Wahlen für Männer und Frauen statt, bei denen die (M)SPD mit 725 Stimmen wieder den Spitzenplatz erreichte. Die Wahlbeteiligung soll in Ritterhude bei fast 90 Prozent gelegen haben. Auch bei der nächsten Wahl am 6. Juni 1920 konnte die (M)SPD wieder die meisten Stimmen für sich verbuchen (393). Allerdings hatte sich die Stimmenzahl im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. Die USPD hatte stark aufgeholt und lag mit 354 Stimmen nur noch knapp hinter der (M)SPD. Zu diesem Zeitpunkt ließ sich in Ritterhude zwischen Mitgliedern der USPD und der KPD kaum eine Grenze ziehen. Die meisten waren als Werftarbeiter in Bremen beschäftigt und hatten sich radikalisiert. In Ritterhude hatten somit die Arbeiterparteien die meisten Anhänger. Bei der Wahl am 4. Mai 1924 machte sich deutlich bemerkbar, dass die USPD sich Ende 1920 gespalten hatte und die Rest-USPD im Oktober 1922 zur SPD zurückgekehrt war. Die bisherigen USPD-Wähler wählten nun KPD und SPD, und der sektenhafte Überrest der USPD konnte nur noch 13 Stimmen für sich verbuchen.
Die KPD musste ein halbes Jahr später, am 7. Dezember 1924, ebenfalls einen leichten Stimmenverlust hinnehmen, doch ab der folgenden Reichstagswahl im Mai 1928 stieg ihr Stimmenanteil ununterbrochen. Die SPD konnte ihre starke Position allerdings halten. Zwischen 1924 und 1933 hielt sich ihr Wahlergebnis nahezu konstant zwischen 670 und 783 Stimmen.
Ab 1929 stiegen die Arbeitslosenzahlen in Ritterhude rasant an. Die Weltwirtschaftskrise warf ihren Schatten. Fast 30 Prozent der ca. 2400 Ritterhuder mussten Ende 1932 von öffentlichen Mitteln leben. Es ist auffällig, dass sie entgegen dem allgemeinen Trend nicht in Scharen zur NSDAP überliefen. Natürlich ging der Aufstieg der NSDAP auch an Ritterhude nicht spurlos vorüber. Das erste Mal tauchte sie mit 29 Stimmen bei der Wahl am 7. Dezember 1924 auf. Ab der Wahl vom 14. September1930 stieg die Anzahl der Stimmen rapide an (1930:183, Juli 1932: 488), sank aber bei der Wahl am 6. November 1932 um nahezu die Hälfte (257) und damit erheblich stärker als im Reichsmaßstab.
Die NSDAP kam in Ritterhude nicht an die Spitzenwerte der SPD heran. Und obwohl Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht gelangte, blieb die SPD auch bei der bereits nicht mehr ganz freien Wahl vom 5. März 1933 die führende Partei in Ritterhude. Doch sie leistete keinen großen organisierten Widerstand.
Die DZP, DDP und DVP spielten bei den Ritterhuder Wahlen keine große Rolle. Die DHP erhielt 1920/1924 noch um die 200 – vermutlich bäuerlichen - Stimmen, doch danach ging es steil bergab. Die rechts gerichtete DNVP zählte bis 1930 im Schnitt nur 80 Wähler, aber ab der Juli-Wahl 1932 stieg die Anzahl. Im November gaben ihr 217 Ritterhuder ihre Stimme. Wie die NSDAP profitierte sie wohl vom Trend der bürgerlichen Wählerschaft nach rechts.





Kathrin Schade